Trampolin-Deutschland zu Gast in Biberach

4.3.2026 Trampolin

Ein Wochenende lang war Biberach das Zentrum des deutschen Doppel-Mini-Trampolinturnens. In der Wilhelm-Leger-Halle richtete die Trampolingruppe der Turngemeinde Biberach 1847 e.V. die Deutschen Meisterschaften im Doppel-Mini-Trampolin sowie den Deutschland-Cup aus – und setzte dabei organisatorisch neue Maßstäbe.

 

Rund 130 Athletinnen und Athleten gingen am Samstag bei den Deutschen Meisterschaften an den Start, am Sonntag folgten etwa 100 weitere Turnerinnen und Turner beim Deutschland-Cup. Die Halle war am Samstag gut gefüllt, die Zuschauer erlebten spektakuläre Sprünge und spannende Entscheidungen. Athleten, Trainer und auch Vertreter des Deutschen Turner-Bundes zeigten sich am Ende voll des Lobes für die Organisation. Die Trampolingruppe der TG Biberach hatte mit einem zwölfköpfigen Organisationsteam und über 50 Helferinnen und Helfern für einen reibungslosen Ablauf gesorgt.

 

Dass die nationalen Titelkämpfe im Doppel-Mini-Trampolinturnen in Biberach stattfanden, ist keineswegs selbstverständlich. Die meisten Vereine dieser Disziplin sind traditionell im Norden Deutschlands beheimatet. Im Süden gibt es nur wenige Vereine, die Doppel-Mini-Trampolin auf nationalem Niveau betreiben – einer davon ist die TG Biberach, deren Trampolingruppe in diesem Jahr ihr 30-jähriges Bestehen feiert.

 

Sportlich stand bei den Männern der erwartete Dreikampf der Nationalmannschaftsmitglieder im Mittelpunkt. Am Ende setzte sich Moritz Braig von den Munich Airriders mit einem beeindruckenden Schwierigkeitswert von 9,4 Punkten knapp vor Daniel Schmidt vom Bramfelder SV durch. Rang drei belegte Adrian Thomson von der TG Münster. Bei den Frauen wurde die Vorjahressiegerin Imani Saprautzki vom Norderstedter SV erneut Deutsche Meisterin, gefolgt von ihrer Vereinskollegin Anastasia Heinrich und Antonia Quindel vom Bramfelder SV.

 

Auch die Biberacher Athletinnen konnten vor heimischem Publikum überzeugen. In der Altersklasse 13/14 belegte Nachwuchsturnerin Helene Ickenstein Platz 17 unter 27 Starterinnen. Nach einem kleinen Fehler in der ersten Übung zeigte sie im zweiten Durchgang dennoch eine ordentliche Leistung. Besonders erfolgreich verlief für sie der Mannschaftswettbewerb: Gemeinsam mit Moritz Rummel, Samira Müller und Kuzey Tikiz vom TSV Neu-Ulm gewann das Team in der Altersklasse 11 bis 14 Jahre die Silbermedaille hinter dem Norderstedter SV und vor Blau-Weiß Hollage.

 

Für ein sportliches Ausrufezeichen aus Biberacher Sicht sorgte Inka Pfarherr in der höchsten Wettkampfklasse der Frauen (17+). Mit zwei starken Übungen und anspruchsvollen Doppelsalti qualifizierte sie sich als Sechste von 22 Starterinnen für das Finale der besten Turnerinnen Deutschlands. „Mit dem Einzug ins Finale hatte ich nicht gerechnet. Der Vorkampf lief sehr gut, ich konnte meine Sprünge sicher stehen und war plötzlich im Finale“, sagte die 17-Jährige. Im Finale erwischte sie jedoch einen ungünstigen Aufgang und konnte ihren geplanten „Fliffis“ – einen Doppelsalto mit halber Schraube – nicht zeigen. „Mit Platz acht bin ich dennoch sehr zufrieden“, so Pfarherr.

 

Am Sonntag stand mit dem Deutschland-Cup im Doppel-Mini-Trampolin der Nachwuchswettbewerb auf dem Programm. In der Altersklasse 15/16 überzeugte Lena Herr von der TG Biberach mit Mut und starken Nerven. Erstmals präsentierte sie eine erst kürzlich erlernte Übung mit zwei Salti. Das Risiko zahlte sich aus: Herr erreichte das Finale und belegte einen starken fünften Platz. Vereinskameradin Finnja Schwabe musste krankheitsbedingt auf ihren Start verzichten.

 

Für einen weiteren Höhepunkt aus Biberacher Sicht sorgte Vitus Born. Im Deutschland-Cup der Altersklasse 13/14 setzte er sich mit deutlichem Vorsprung durch und sicherte sich den Sieg vor Luis Halfinger vom TSV Erbach und Leo Kammerl aus Weingarten.

 

Am Samstag wurde zudem erstmals ein nationaler Wettkampf im Tumbling-Turnen ausgetragen. Insgesamt 45 Turnerinnen und Turner gingen an den Start. Ziel des Deutschen Turner-Bundes ist es, diese Disziplin künftig stärker auch in Deutschland zu etablieren, da sie international zunehmend an Bedeutung gewinnt. Noch steckt das Tumbling hierzulande jedoch in den Kinderschuhen. Bei den Erwachsenen setzte sich Adrian Thomson von der TG Münster durch, gefolgt von Matti König (Münster) und Sanchez Bruchmann von der Bayreuther Turnerschaft. Alle drei waren zugleich auch im Doppel-Mini-Trampolinturnen am Start. Von der TG Biberach nahm in dieser Disziplin kein Athlet teil.

 

Ein besonderer Blick galt auch dem Biberacher Titelverteidiger Simon Dobler, der im vergangenen Jahr Deutscher Meister bei den Herren geworden war. Eine Verletzung am Fuß, die er sich bei der Turngala Anfang Januar zugezogen hatte, verhinderte jedoch seinen Start. „Das war natürlich sehr schade. Ich hatte mich gut vorbereitet auf das Ziel Titelverteidigung daheim“, sagte der 20-Jährige. Stattdessen unterstützte er die Veranstaltung hinter den Kulissen und war für Musik und Lichteffekte verantwortlich.

 

Für Organisator und Trainer Bernd Schilling war das Wochenende ein voller Erfolg. „Wir wollten nicht nur Geräte hinstellen und einen Wettkampf turnen lassen, sondern den Athleten auch ein Gefühl von Spitzenklasse geben“, erklärte er. Neben modernen Geräten, Licht- und Soundtechnik, Moderation, Online-Scoring und Hallendekoration sorgte ein großes Helferteam für professionelle Rahmenbedingungen. „Es gab sehr viele positive Rückmeldungen von Trainern, Aktiven und Kampfrichtern. Diese Meisterschaften haben neue Maßstäbe im Doppel-Mini-Trampolinturnen gesetzt“, so Schilling.

 

Damit erlebte Biberach ein Wochenende mit hochklassigem Sport, großer Begeisterung auf den Rängen und starken Leistungen der heimischen Athletinnen und Athleten.

Inka Pfarherr

Helene Ickenstein